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Enis Murati im Sommergespräch: Der ehemalige "Swan" über seine neue Aufgaben bei den Leuven Bears.

Du bist seit wenigen Wochen der „jüngste“ österreichische Legionär. Hast du dich bereits in Leuven eingelebt? Wie waren die ersten Tage nach deiner Ankunft?

Ja, ich habe mich schon gut eingelebt. Es sind schon mittlerweile 4 Wochen vergangen, seitdem ich hier bin. Die ersten Tage habe ich hauptsächlich damit verbracht, die neue Umgebung mal kennenzulernen. 11 09 09 enis murati

Du hast dieses Jahr eben den Schritt ins Ausland gewagt. War dieser eher Zufall, oder von langer Hand geplant?

Ich habe diesen Schritt schon einigermaßen geplant – aber nicht sehr lange. Mein Wunsch war es, dass ich den nächsten Schritt in meiner sportlichen Karriere mache, nicht aber um jeden Preis – denn ich habe mich in Gmunden sehr wohl gefühlt. Das Angebot der Leuven Bears war von Anfang an anständig und in jedem Aspekt für mich akzeptabel, sodass ich die Chance, in der ersten belgischen Liga zu spielen, ergreifen wollte.

Warum fiel die Entscheidung auf Leuven Bears? Gab es andere Interessenten mit denen du gesprochen hast?

Die Entscheidung fiel hauptsächlich durch den Kontakt mit Tom Johnson, der vor wenigen Jahren Head-Coach in Oberwart war – und nun Trainer bei den Leuven Bears ist. Er hatte mich und meinen Spielstil aus seiner Gunners-Zeit noch in guter Erinnerung und war sehr an meiner Verpflichtung interessiert. Es gab dann etliche Gespräche über das neue Team, die neue Saison und habe gesehen, dass ich sehr gut in sein neues Konzept passe.

Es gab aber noch ein paar Interessenten aus der Beko-BBL und der Adriatic League, deren Angebote aber nicht sehr konkret waren. Das Gesamtpaket bei den Leuven Bears hat mir dann am allerbesten gefallen.

In Österreich hat sich vor diesem Engagement auch hartnäckig das Gerücht, Güssing sei an dir interessiert, gehalten. Gab es die Überlegung Gmunden innerhalb der Admiral Basketball Bundesliga zu verlassen wirklich bzw. hättest du diesen Schritt gewagt?

Die Güssing Knights sind meiner Meinung nach derzeit die interessanteste Mannschaft in Österreich und sicherlich wieder einer der Kandidaten auf den Meistertitel. Sie spielen einen attraktiven Basketball und haben sich sowohl national als auch international letzte Saison sehr gut präsentiert. Für mich persönlich wäre es schon sehr schwer innerhalb der ABL zu wechseln. Aber darüber müssen wir jetzt gar nicht denken, denn ich bin jetzt in Belgien und somit auch aus dem Schneider!

Du hast in etlichen Interviews immer gesagt, in Gmunden fühle ich mich wohl. Was vermisst du am meisten und warum?

Ich darf mit ruhigem Gewissen sagen, dass Gmunden nach zehn gespielten Saisonen mein Zuhause geworden ist. Sportlich gesehen, habe ich mit den Swans so viele Erfahrungen gesammelt, die mich in meiner sportlichen Entwicklung enorm nach vorne gebracht haben. Nachdem ich die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen habe, konnte ich als Österreicher für die Swans aufs Parkett laufen und war sogar einer der Kapitäne. Es war eine große Ehre für mich. Abgesehen davon lebt mittlerweile auch meine Mutter in Gmunden, meine Freunde genauso und meine Freundin kommt auch aus Gmunden.

Das Umfeld bei den Swans Gmunden gilt als sehr familiär. Gibt es Parallelen zu Leuven oder ist die Situation dort komplett anders?

Ich kann sagen, dass der Verein in Leuven auch sehr familiär aufgebaut ist. Hier gibt es auch sehr viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die für den Verein sehr wichtig sind. Der Unterschied liegt darin, dass hier alles größer ist als in Gmunden. Man hat ein größeres Budget zur Verfügung, viel mehr Kinder werden im Nachwuchs betreut, die Halle ist größer und dementsprechend auch die durchschnittliche Zuschauerzahl – und fast alle Spieler im Bundesligakader sind Vollprofis.

Du hast in deinem ersten Testspiel für Leuven gleich 25 Punkte gemacht. Gratulation! Kannst du schon abschätzen welche Rolle du in deinem neuen Team einnehmen wirst?

Danke! Ich denke, dass ich eine ähnliche Rolle wie in Gmunden einnehmen kann. Nachdem ich einer der ältesten und erfahrensten Spieler im Team bin, erwartet man von mir ein Leader on- und offcourt zu sein.

Du hast in den letzten Jahren reichlich für deine Zeit nach dem Basketball gelernt. Zunächst dein Biologie Studium mit Schwerpunkt Genetik abgeschlossen – und dann gleich ein Lehramtsstudium begonnen. Wie sieht die weitere Planung aus, auch in ferner Zukunft? Inwieweit überlegst du das Studium auch dieses Jahr zu belegen? Ist das überhaupt machbar?

Dieses Jahr wird es nicht machbar sein. Nachdem ich viele Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht in meinem Lehramtsstudium habe, muss ich es aufs Eis legen, solange ich mich im Ausland befinde. Wenn ich meine sportliche Karriere beende oder wieder einmal in Österreich spiele, werde ich es dementsprechend auch abschließen, um ein zweites Standbein neben dem Basketball zu haben.

Was sind deine Ziele für die kommende Saison, mannschaftlich und persönlich?

Mannschaftlich möchte ich, dass wir so viele Siege wie möglich einfahren. Da denke ich von Spiel zu Spiel und hoffe, dass wir uns am Ende des Grunddurchganges einen Playoff-Platz sichern können. Natürlich wollen wir im Cup auch so weit wie möglich kommen. Persönlich möchte ich mich weiter verbessern, an meinen Schwächen arbeiten und mich auf einem höheren Level etablieren.

Du hast im letzten Jahr im Nationalteam gegen Deutschland offensiv wie defensiv dominiert. Es hat leider nicht zum Sieg gereicht. Was fühlte ein Enis Murati in diesem Spiel?

Ich fühlte mich nicht gut. Meine persönliche Leistung habe ich in den Schatten gestellt, da wir innerhalb von den letzten 2 Spielminuten wahrscheinlich den wichtigsten Sieg der ganzen EM-Quali auf dem Tisch liegen lassen haben.

Solche Leistungen gelingen leider nicht an jedem Tag. Wie versuchst du deine Form zu konservieren? Kann man das überhaupt?

Natürlich gelingt einem so etwas nicht jeden Tag. Aber man gibt immer sein Bestes im Training und versucht mit voller Konzentration aufs Spielfeld zu gehen, um jeden Tag einen kleinen Schritt nach vorne zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass man sich nur durch gutes Training im optimalen Rhythmus halten kann.

Bleiben wir noch kurz beim Nationalteam: Für dich scheint die Konkurrenz etwa mit Joey Shaw oder Jason Detrick in der rotweißroten Auswahl wohl am Stärksten zu sein. Inwieweit motiviert dich diese Situation?

Jason und Joey sind beide sehr gute Spieler, die schon lange in Österreich spielen und auch andere Nationalspieler recht gut kennen. Ich denke, dass es an dem Nationaltrainer liegt zu ermessen, welcher Spieler am besten in seine Philosophie passt, um eben das Bestmögliche aus der Mannschaft herauszuholen. Jedenfalls freue ich mich immer über jede Einladung des Nationaltrainers und stehe gerne zur Verfügung.